U18-Wahl im Kinder- und Jugendhaus „Alte Feuerwehr“

Im Rahmen der Bundestagswahl 2021 findet das Projekt U18-Wahl in Deutschland statt. Das Kinder- und Jugendhaus „Alte Feuerwehr“ ist als Wahllokal registriert und f√ľhrt im Vorfeld der U18-Wahl ein spezielle Angebote zu den Themen Politik und Wahlen durch.

In Gesprächsrunden, digitalen Wahlprogrammen und Gesprächen mit Politiker*innen können sich Kinder und Jugendliche zu allen Themen rund um Politik und Wahlen informieren. Highlight ist die U18 Wahl am 17.09. An diesem Tag besteht die Möglichkeit seine Stimme im Jugendhaus Alte Feuerwehr abzugeben. Ab 18 Uhr erfolgt die gemeinsame Auszählung der Wahlzettel.

Im folgenden informieren wir euch √ľber alles rund um die Bundestagswahl und helfen euch zu verstehen, wie eine Bundestagswahl abl√§uft.

Wer darf wählen?

Du darfst wählen, wenn Du

  • Mindestens 18 Jahre alt bist,
  • die deutsche Staatsangeh√∂rigkeit hast, also Deutscher oder
    Deutsche bist und so einen deutschen Personalausweis hast und
  • mindestens¬†3 Monate vor der Wahl einen Wohnsitz
    in Deutschland hast.
    Dein Wohnsitz ist da, wo Du beim B√ľrgeramt gemeldet bist.
    F√ľr Deutsche, die immer im Ausland leben, gibt es besondere Regeln.

Wenn Du wahlberechtigt bist, stehst Du im Wählerverzeichnis. Eine Person darf bei einer Bundestagswahl nur einmal wählen.

Quelle: bpb; Wer darf den Bundestag wählen?

U18-Wahl

Bei der U18-Wahl kann Jeder und Jede unter 18 Jahren eine Stimme abgeben. Dabei ist es auch egal, ob Du einen deutschen Personalausweis hast oder nicht. Du musst auch nicht sagen wer du bist oder wo du wohnst. Bei der U18-Wahl ist es den Macher*innen wichtig, die Stimmen aller Jugendlichen abzubilden. Wir bitten dich trotzdem nur einmal an der U18-Wahl teilzunehmen.

Was wird eigentlich gewählt?

Am 26.09.2021 wird ein neuer Deutscher Bundestag gew√§hlt. Dies geschieht im Normalfall alle 4 Jahre. Manchmal zerbricht eine Regierung oder die Parteien k√∂nnen sich nach der Wahl nicht einigen – dann gibt es Neuwahlen. Im Bundestag sitzen mindestens 598 Abgeordnete. Diese werden in 299 Wahlkreisen in ganz Deutschland gew√§hlt. Unser Wahlkreis Dresden II – Bautzen II. ist zum Beispiel einer. Die H√§lfte der Abgeordnete wird √ľber die Erststimme gew√§hlt. Wenn zum Beispiel die Kandidatin Y von der Partei X mehr Stimmen als alle Anderen in ihrem Wahlkreis gesammelt hat, dann ist sie in den Bundestag gew√§hlt. Die andere H√§lfte wird √ľber die Zweitstimmen in den Bundestag gew√§hlt. Jedem Bundesland stehen eine unterschiedliche Zahl von Abgeordneten zu. In NRW sind das mehr als in Brandenburg, weil in NRW viel mehr Menschen leben.

Im Vorfeld der Wahl stellen die Parteien in den einzelnen Bundesl√§ndern sogenannte Wahllisten auf. Dort stehen dann mehrere Namen, die f√ľr die Parteien in den Bundestag wollen. Je mehr Stimmen eine Partei anhand der Zweitstimmen erh√§lt, umso mehr Abgeordnete darf sie von ihrer Liste in den Bundestag schicken. Dabei geht es von Listenplatz 1 los, danach die 2. dann die 3 und so weiter.

Meistens werden aber deutlich mehr Abgeordnete in den Bundestag geschickt als die 598. Das ist durch Überhangsmandate und Ausgleichsmandate bestimmt. Klingt kompliziert? Ist es auch. Deshalb vernachlässigen wir jetzt eine Erklärung dazu.

Warum gibt es aber so viele Abgeordnete?

299 Wahlkreise klingt nach ganz sch√∂n viel oder? Das ist es auch. Dadurch sollen aber die regionalen Besonderheiten ber√ľcksichtigt werden. Jede*r einzelne Abgeordnete soll n√§mlich die Interesse und W√ľnsche der B√ľrger*innen vor Ort ber√ľcksichtigen. Diese k√∂nnen n√§mlich sehr unterschiedlich sein. Zum Beispiel bei der Energiepolitik. Es gibt nur wenige geeignete Fl√§chen f√ľr die Endlagerung von Atomm√ľll. Nun k√∂nnten nat√ľrlich einige wenige einfach entscheiden, dass der Atomm√ľll nach Sachsen kommt. Damit das nicht so einfach ist, ist es die Aufgabe der s√§chsischen Abgeordneten dar√ľber im Bundestag zu streiten. Oder stell dir vor eine gro√üe Firma plant ein neues Werk in Deutschland. Dann k√§mpfen die Abgeordneten darum, dass die Firma ihr neues Werk im Wahlkreis des Abgeordneten baut. So entstehen n√§mlich Arbeitspl√§tze vor Ort, wor√ľber die Menschen meist sehr froh sind. Die Chance, dass der Abgeordnete wiedergew√§hlt wird, steigt.

Wie sieht so ein Wahlzettel aus?

Der Wahlzettel ist ziemlich lang. Je mehr Parteien bei einer Wahl antreten, umso l√§nger wird er auch. Auf der linken Seite findest du den Stimmzettel f√ľr die Bundestagswahl 2021 aus dem Wahlkreis Dresden II. Also der Wahlkreis in dem unser Jugendhaus steht. Auf der rechten Seite sind die Parteien, die f√ľr den Bundestag kandidieren. Die Parteien sind unterschiedlich gro√ü. Manche sind so klein, dass sie gar nicht so viele Mitglieder haben, die in den einzelnen Wahlkreisen f√ľr die Partei antreten w√ľrden. Dadurch siehst du auf der linken Seite des Wahlzettels einige L√ľcken. Das bedeutet, dass die Parteien keinen Direktkandidaten in deinem Wahlkreis aufgestellt haben.

Mit der Erststimme w√§hlst du einen Direktkandidaten. Das ist manchmal gar nicht so leicht, weil du die Kandidat*innen vielleicht gar nicht kennst. Schau dir dazu den MDR-Kandidatencheck an, damit du etwas mehr √ľber die einzelnen Personen erf√§hrst. Nat√ľrlich kann du auch jemanden w√§hlen, ohne das du die Person kennst. Aber vielleicht setzt sich ja ein Kandidat f√ľr genau das ein, was du dir vor Ort w√ľnscht. Zum Beispiel kann das in Dresden der Erhalt des Pumpspeicherwerks Niederwartha sein. Gut m√∂glich, dass das eine Partei nicht auf ihrer Agenda hat, daf√ľr aber ihr Direktkandidat.

In jedem Wahlkreis stehen √ľbrigens andere Namen drauf. Es kann sogar vorkommen, dass eine Partei in einem Bundesland gar nicht w√§hlbar ist. Das ist zum Beispiels bei den Gr√ľnen im Saarland oder bei der AFD in Bremen der Fall. Hier wurden die Formalien f√ľr die Zulassung nicht eingehalten.

Wen sollte ich wählen?

Tja, das ist eine Frage, die sich viele W√§hler*innen stellen. Es gibt Menschen, die w√§hlen immer die gleiche Partei. Den ist es auch egal, wer der oder die Direktkandidat*in ist. Wir empfehlen dir aber, deine Wahlentscheidung gut zu √ľberlegen, denn die Parteien passen ihr Wahlprogramm regelm√§√üig an. Au√üerdem kann es in deiner Situation Dinge geben, die dir auf einmal wichtiger sind als fr√ľher. Zum Beispiel der Klimaschutz, Familienpolitik, Drogenpolitik oder die innere Sicherheit.

Die Wahlprogramme der Parteien kannst du auf den Internetseiten der einzelnen Parteien finden. Die alle zu lesen ist aber meist sehr schwierig und dauert auch seeehr lange. Dennoch ist das der beste Weg, damit du eine gute Entscheidung treffen kannst. Es gibt aber auch Entscheidungshilfen, wie zum Beispiel den Wahl-O-Mat. Den kennst du sicher schon. Wir haben dir auf unserer Seite unter N√ľtzliches noch andere kleine Tools verlinkt.

Du kannst auch regelm√§√üig ins Gespr√§ch mit den Direktkandidat*innen vor Ort kommen. Alle Abgeordneten machen Wahlkampf und treten mehrmals in ihrem Wahlbezirk auf. Dort kannst du Fragen stellen und dir ihre Vorstellungen f√ľr die kommenden 4 Jahre anh√∂ren.

Wir empfehlen dir nur seri√∂se Quellen f√ľr deine Entscheidung zu nutzen. Zum Beispiel kannst du beim Jugendportal des Bundestages (mitmischen.de) Informationen zu den gro√üen Parteien bekommen. Diese sind neutral und ohne Wertung formuliert. Vieles was in Facebook Gruppen oder Telegram oder auch bei Twitter verbreitet wird ist falsch oder aus dem Zusammenhang gerissen. Auch bei den Gespr√§chen mit den Kandidat*innen spielt meist eine pers√∂nliche Meinung eine Rolle. So werden alle AFDler zu Rechtsradikalen, alle Gr√ľnen zu √Ėkodiktatoren und alle Linken zu SED Leuten verunglimpft.

Was passiert nach der Wahl?

Nachdem am 26.09. die Wahllokale um 18 Uhr schließen, erfolgt die Auszählung. Bei einer Auszählung darf man zusehen. Die Auszählung selber erfolgt durch die Wahlhelfer*innen in den Wahllokalen. Im Laufe des Abends oder der Nacht steht meist das amtliche Endergebnis fest. Dann ist klar, wer es in den Bundestag geschafft hat und wieviele Sitze die einzelnen Parteien erringen konnten.

In den seltensten F√§llen gibt es eine absolute Mehrheit, d.h. das eine Partei √ľber 50 % der Stimmen erhalten hat. Meist m√ľssen sich mehrere Parteien zusammentun, um eine Mehrheit von √ľber 50 % zu erhalten. Das machen sie, damit sie sich sicher sein k√∂nnen, dass ihre Gesetzesvorlagen auch eine Zustimmung finden.

Wer mit wem eine sogenannte Koalition bildet, wird in Sondierungsgespr√§chen und Koalitionsverhandlungen diskutiert. Dabei m√ľssen die einzelnen Parteien Kompromisse eingehen und einige ihrer Wahlversprechen zur√ľcknehmen, damit es zu Verhandlungserfolgen mit den anderen Parteien kommt. Wenn zum Beispiel die SPD einen Mindestlohn von 15,- ‚ā¨ fordert, die CDU in ihrem Wahlprogramm aber nur 10,- ‚ā¨ in Aussicht gestellt hat, kann es sein, dass beide Parteien sich in der Mitte getroffen haben. Die SPD kann dann argumentieren, dass es zu einer Erh√∂hung kam und das ein Erfolg ist. Die CDU kann argumentieren, dass die Wirtschaft zwar mehr in Personal investieren muss, die Steigerung aber nicht so hoch ist. Auch ein Erfolg.

Wenn sich die Parteien dann geeinigt haben, schlie√üen sie einen Koalitionsvertrag ab, indem sie ihre Vorhaben f√ľr die Regierungszeit (vier Jahre) festschreiben. In den Verhandlungen legen sie auch die Minister*innen√§mter fest. Das sind ziemlich wichtige Posten und um diese wird auch hart gerungen.

Einen Bundeskanzler oder eine Bundeskanzlerin wählt der Bundestag im Anschluss an die Koalitionsverhandlungen. Meist ist das ein*e Spitzenkandidat*in der Partei, welche die meisten Stimmen bekam und in der Regierung beteiligt ist. Die Wahl ins Kanzleramt kann manchmal erst Monate nach der Bundestagswahl erfolgen.

Wenn sich keine Regierungskoalition bildet, besteht auch die M√∂glichkeit einer Minderheitsregierung. Das bedeutet, dass es keine sichere Mehrheit gibt. Das kann gut sein, weil sich viele Parteien einigen m√ľssen, aber auch den Bundestag l√§hmen, weil Gesetzesvorlagen immer wieder abgelehnt werden. Eine weitere M√∂glichkeit k√∂nnen Neuwahlen sein. Dann w√ľrde alles wieder von vorne beginnen.

Termine:

30.08.2021: Wahlplakate entwerfen
06.09.2021: Wir checken WahlApps
08.09.2021:¬†Mittwochstalk – √Ėkodiktatur, Nazipartei, linker Sozialismus!? Was stimmt √ľber die Parteien wirklich?
09.09.2021: Bau einer Wahlurne
14.09.2021: Wahldialog „Jugend & Politik“
17.09.2021:
U18-Wahl im Jugendhaus

N√ľtzliches:

Der MDR-Kandidat*innencheck stellt die Kandidat*innen aus dem Wahlbezirk Dresden II – Bautzen II vor. Das sind die Leute, die auf dem Wahlzettel stehen, wenn ihr im Jugendhaus an der U18-Wahl teilnehmt.

MDR-Kandidat*innencheck

Das Jugendportal des Deutschen Bundestages mitmischen.de hat eine √úbersicht √ľber die gro√üen 6 Parteien zusammengestellt. Darin k√∂nnt ihr euch informieren, wof√ľr die einzelnen Parteien stehen. Die Zusammenfassung ersetzt jedoch kein Wahlprogramm. Auf dem Portal gibt es noch viele weitere gute Infos.

mitmischen.de – Wof√ľr steht welche Partei?

Wahl Entscheidungshilfen

Wahl-O-Mat

WahlSwiper

Sozial-O-Mat